
Integration – Welche Verantwortung übernehmen die Medien?
Ein hochrangig besetztes Panel diskutierte im Konrad-Adenauer-Haus über ein spannendes und zugleich schwieriges Thema – Integration und die Rolle der Medien dabei. Auf dem Podium saßen Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble, der Programmdirektor des ZDF Dr. Thomas Bellut und die Schauspielerin Pegah Ferydoni. Geleitet wurde die Diskussion von Prof. Monika Grütters, der stellvertretenden Vorsitzenden des Ausschusses "Kultur und Medien" des Deutschen Bundestags.
Wenig strittig war zunächst ein Ausgangsbefund: In den letzten zehn Jahren hat sich viel getan in der deutschen Medienwelt, besonders im Fernsehen. Heute gibt es türkische Kommissare und zahlreiche Beiträge über den "Multi-Kulti-Alltag" und über die Kultur der Menschen, die heute zwar hier leben, aber ihre Wurzeln nicht in Deutschland haben. Dennoch ziehen einige den türkischen Fernsehsender oft dem deutschen vor. Woran liegt das? Und wie kann man es ändern? Ein Schlüssel dazu, betonte Bundesinnenminister Schäuble, sei die Sprache. Einen anderen Akzent setzte die Deutsch-Iranerin Pegah Ferydoni, die sich für mehr Programme in verschiedenen Sprachen einsetzte. Aus der Praxis konnte Thomas Bellut allerdings schildern, wie schwierig es ist, solche Formate unter Quotendruck dauerhaft in der Fernsehlandschaft zu etablieren.
Wie also können Medien zur Integration beitragen? Diskutiert wurde unter anderem eine Art der Quotenregelung, um mehr Ausländer für das deutsche Fernsehen zu begeistern. Dass das möglich ist, betonte MonikaGrütters mehrfach. Interessant seien in diesem Zusammenhang zum Beispiel Statistiken, die zeigen, dass türkische Migranten sehr viele türkische Medien nutzten, italienische oder polnische Migranten dagegen die deutschen bevorzugen. Pegah Ferydoni regte im weiteren Verlauf der Diskussion an, das Augenmerk stärker auf die Frage nach dem Bild zu legen, das man transportieren will. Sollte man bewusst stärker Positives über den Islam berichten, um die überproportionale Betonung der Folgen des religiösen Fanatismus auszugleichen? Bei dieser Frage waren sich die Podiumsteilnehmer nicht einig. Die Schauspielerin wünschte sich allerdings ein bisschen mehr "Normalität und Lässigkeit" im Umgang mit den Themen Islam und Migration. Darsteller sollten nicht nur auf ihren Status als Deutsche mit Migrationshintergrund reduziert werden, sondern auch Rollen spielen dürfen, die nicht ständig "von der Mandoline begleitet" werden. Um dies zu erreichen, bedürfe es allerdings auch finanzieller Förderung, was heute leider noch nicht ausreichend erkannt werde. Thomas Bellut wünschte sich in diesem Zusammenhang mehr Unterstützung von politischen und gesellschaftlichen Institutionen. Ob die Medien den Integrationsprozess, selbst bei großzügiger finanzieller Ausstattung für entsprechende Projekte, entscheidend voranbringen können, stellte Wolfgang Schäuble allerdings grundsätzlich in Frage. Seiner Meinung nach obliege diese wichtige, "volkserzieherische" Maßnahme vorrangig anderen.





